Closing Line Value (CLV) bei Sportwetten erklärt
Closing Line Value, kurz CLV, beschreibt den Abstand zwischen deiner angenommenen Quote und der letzten vergleichbaren Quote vor Spielbeginn. Es bewertet den Preis einer Entscheidung; weder verspricht es Gewinn noch sagt es den Ausgang einer einzelnen Wette voraus.
Die zwei gebräuchlichen CLV-Formeln
Bei Dezimalquoten lautet die direkte Rechnung: Quoten-CLV = (genommene Quote / Schlussquote − 1) × 100. Nimmst du 2,15 und schließt derselbe Markt bei 2,00, ergibt sich (2,15 / 2,00 − 1) × 100 = +7,5 %. Das Plus bedeutet: Bei gleichem Treffer würde dein Schein höher auszahlen.
Daneben steht die implizite Wahrscheinlichkeit p = 1 / Quote. Aus 2,15 werden 46,51 %, aus 2,00 werden 50,00 %. Die Schlussquote bewertet die Auswahl also um 3,49 Prozentpunkte höher. Das sind keine 3,49 % Rendite und erst recht keine sichere Eintrittswahrscheinlichkeit.
Ohne Margenprüfung wird die Zahl schnell falsch gelesen
Die impliziten Wahrscheinlichkeiten aller Marktseiten ergeben wegen der Buchmachermarge mehr als 100 %. Bei zwei Ausgängen berechnest du beide Werte 1/Quote und teilst jeden durch ihre Summe. So entsteht eine normalisierte Schätzung. Mit einer bereinigten Schlusswahrscheinlichkeit p kann genommene Quote × p − 1 als grober Wertindikator dienen. Er beweist keinen Vorteil und ersetzt kein Risikolimit.
Ein Beispiel in fünf nachvollziehbaren Schritten
- Eintrag anlegen: Dienstag, 10:12 Uhr: Heimsieg im 1X2-Markt zu 2,15 bei Anbieter A.
- Schlussregel festlegen: Fünf Minuten vor Anpfiff zeigt Anbieter A für dieselbe 90-Minuten-Wette 2,00.
- Quotenwert rechnen: 2,15 / 2,00 − 1 = 0,075; daraus folgt +7,5 % CLV.
- Wahrscheinlichkeit vergleichen: 46,51 % beim Abschluss und 50,00 % am Schluss bedeuten +3,49 Punkte.
- Ergebnis getrennt speichern: Auch eine verlorene Wette kann positives CLV haben; ein Gewinn macht negatives CLV nicht gut.
Eine einzelne Zeile ist kein Muster. Prüfe nach einer ausreichenden Reihe Durchschnitt, Median und Streuung. Ergänze die Auswertung mit Yield bei Sportwetten: Dieser Wert beschreibt Gewinn oder Verlust im Verhältnis zum gesamten Einsatz.
Warum Quelle, Uhrzeit und Liquidität entscheidend sind
- Quelle: Vergleiche dieselbe Wettfirma oder nenne eine feste Schlussquelle. Anbieter schließen oft bei verschiedenen Preisen.
- Zeitpunkt: Definiere „Schluss“ konsequent, etwa T−5 Minuten. Eine Morgenquote ist nicht mit einer Quote nach Aufstellungen gleichzusetzen.
- Liquidität: Kleine Märkte können sich wegen wenig Geld bewegen oder ganz ausgesetzt werden. Ihr Schlusskurs ist weniger aussagekräftig.
- Marge und Regeln: Vermische keine Märkte mit anderer Linie, Nachspielzeit-Regel oder anderem Abrechnungsmodell.
- Erreichbarkeit: Eine sichtbare, aber limitierte oder gesperrte Quote beweist nicht, dass andere sie spielen konnten.
Diese Tabelle macht die Auswertung prüfbar
| Feld | Beispiel | Zweck |
|---|---|---|
| Zeit und Quelle | Dienstag 10:12, A | Belegt den Preis |
| Markt und Regeln | 1X2, 90 Minuten | Verhindert Verwechslungen |
| Genommene Quote | 2,15 | Ausgangsdaten |
| Definierter Schluss | 2,00 bei T−5 | Wiederholbare Referenz |
| Akzeptiertes Limit | Einsatz bestätigt | Trennt sichtbar von spielbar |
| Ergebnis | Verloren | Trennt Preis und Zufall |
Ein sauberer Ablauf für das eigene Journal
Lege Quelle und Stichtag vor der ersten Wette fest. Notiere jeden Tipp sofort, auch wenn du ihn wegen einer veränderten Quote nicht spielst. Ergänze am Stichtag die Schlussquote, ohne Limits, Aussetzungen oder Marktwechsel zu verstecken. Nach einem vorab bestimmten Block, etwa 100 Wetten, zerlege die Daten nach Sport, Quotenband und Liquidität. Ein guter Gesamtwert kann aus einem einzigen Teilbereich stammen.
Bewerte außerdem, ob der Schlusskurs die gleiche Auswahl abbildet. Ein asiatisches Handicap −0,25 ist nicht dieselbe Wette wie −0,5; „Draw no Bet“ hat andere Rückzahlungsregeln als 1X2. Schreibe solche Details aus, statt sie nachträglich in eine einzige Kategorie zu drücken. So bleibt erkennbar, ob eine Bewegung wirklich dein Preis oder nur ein anderes Produkt betrifft.
Bei einem Tipster sollten Veröffentlichungszeit, Quote, Einsatz und verlorene Tipps dauerhaft sichtbar sein. Das Tipster-Verzeichnis und die Anleitung zum Lesen einer vollständigen Historie helfen beim Prüfen der Nachvollziehbarkeit. CLV ohne benannte Quelle, feste Uhrzeit und nachweisbare Verfügbarkeit ist keine belastbare Behauptung.
Typische Denkfehler
- Die niedrigste Quote nach dem Spiel nachträglich als Schlussquote auszugeben.
- Linie, Buchmacher oder Abrechnungsregel stillschweigend zu wechseln.
- Implizite Wahrscheinlichkeit trotz Marge mit Gewissheit zu verwechseln.
- Nur verkürzte Quoten zu zeigen und längere Quoten aus dem Journal zu entfernen.
- Nach Verlusten den Einsatz zu erhöhen; CLV verringert kein Verlustrisiko.
Checkliste und FAQ
- Sind Zeit, Quelle, Markt und Quote überprüfbar notiert?
- Gilt für jede Zeile dieselbe Schlusszeit?
- Habe ich Margen, Liquidität und Einsatzlimits vermerkt?
- Bewerte ich die ganze Serie statt einer kurzen Phase?
- Bleibt der Einsatz in meinem Freizeitbudget?
Garantiert positives CLV Gewinn?
Nein. Es zeigt höchstens einen besseren Preis gegenüber einer festgelegten Referenz. Einzelne Wetten verlieren weiterhin, und ein dünner Markt kann einen zufälligen Schlusswert liefern.
Wie viele Wetten brauche ich?
Eine magische Anzahl gibt es nicht. Hundert sauber erfasste Einträge sind aussagekräftiger als zehn; ein großes Protokoll mit wechselnden Quellen kann trotzdem unbrauchbar sein.
Nur für Personen ab 18 Jahren. Wetten bergen ein Verlustrisiko; bitte spiele verantwortungsvoll.